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Was die Menschen über den Mäuseturm berichten

Der Bieblacher „Mäuseturm“, wie ihn der Volksmund nennt, war vor 165 Jahren als Windmühle geplant. 1851 stellte der damalige Gutsbesitzer und Bürgermeister von Bieblach, Gottfried Rothe, einen Antrag auf Errichtung einer Windmühle. Doch ob sie jemals in Betrieb ging, bleibt ungewiss – es gibt zwei Geschichten, die den Ursprung des Turms erklären.

Die erste besagt, dass die Holländermühle mit drehbarer Haube und steinernem Turm zwar errichtet wurde, jedoch aufgrund ihrer ungünstigen Lage kaum Antriebsenergie lieferte. Da sie in einer Ecke zwischen zwei Gebäuden stand, lagen die Flügelspitzen im Windschatten der Dächer. Bis nachweislich 1857 blieben die Flügel am Turm erhalten, bevor sie entfernt wurden.

Die zweite Version der Geschichte erzählt, dass die Windmühle nie ganz fertiggestellt wurde – angeblich wurden die Flügel nie bestellt. Der Erbauer hatte wohl nicht genug Aufträge, da die umliegenden Mühlenbesitzer die Bauern unter Druck setzten: Wer sein Getreide von dem neuen Müller mahlen ließe, würde bei ihnen nie wieder Getreide verkaufen dürfen. Ohne Einnahmen konnte der Erbauer die Flügel nicht bezahlen, und so blieb der Turm unvollendet. Schließlich zogen nur die Mäuse ein – daher der Name „Mäuseturm“.

Die erste urkundliche Erwähnung des Gutes in Bieblach stammt aus dem Jahr 1322, als die Familie Klum es an das Kloster Cronschwitz verkaufte. Nach der Reformation ging das Gut in weltlichen Besitz über und wurde Teil des Herrschaftsgebiets der jüngeren Reußenlinie.

Seit dem 16. Jahrhundert diente das Vorwerk als herrschaftliche Schäferei und war Bestandteil des Vorwerks Untermhaus, später des Kammerguts Untermhaus. Im Zuge der Industrialisierung wandelten sich Schäfereien ab dem 19. und 20. Jahrhundert zunehmend in landwirtschaftliche Betriebe. 1979 wurde das Anwesen enteignet.

1988 wurde aus dem alten, langsam verfallenden Gut und dem Windmühlenturm eine Schule. Dabei riss man einige Gebäudeteile bis auf die Grundmauern ab und errichtete sie neu. Nach einem weiteren Umbau zog 1991 das Berufliche Bildungszentrum Gera ein, das Fachkräfte für das Gastro- und Hotelgewerbe ausbildete. In diesem Zuge entstand auch das Haus 3, das die bestehenden Gebäude zu einem geschlossenen Vierseitenhof verband.